Was ist ein Wanderritt

Was ist ein Wanderritt

…muss man diese Frage überhaupt stellen?
Ich hatte sie mir bis jetzt nicht gestellt, denn ich habe relativ klare Vorstellungen davon.
In den letzte vier Wochen ist mir diese Frage dann mehrfach über den Weg gelaufen. Und … es gibt ganz unterschiedliche Vorstellungen.

Im Land Kamerun in der Göhrde, habe ich an dem wöchentlichen stattfindenden „Wanderritt“ mit Auri teilgenommen. Nun sollte man denken, dass ein Wanderritt für ein 4 jähriges Pferd noch etwas zu viel ist. Hier definiert sich der Wanderritt aber so, dass es ein 1,5 Stunden Ritt ist und damit doppelt so lange wie die sonst üblichen Ausritte vor Ort. Das ist für mich ein anständiger Ausritt, aber kein Wanderritt und noch nicht einmal ein Tagesritt. Wenigstens in meiner Vorstellung. Ich kann mir vorstellen, dass die Gäste des Reiterhofes zu Hause trotzdem berichten, sie hätten ihren ersten Wanderritt gemacht 😉

Das nächste Mal wurde die Frage auf Facebook gestellt in der Gruppe „Wanderreiten“, hier mit Antwortmöglichkeiten.
→ Ein Tagesritt von mehreren Stunden
→ Ein Ritt mit mindestens einer Übernachtung
→ Ein Ritt mit mehreren Übernachtungen
→ Ein Ritt mit mehreren Übernachten dabei wird das Gepäck auf dem Pferd transportiert
Das hat mich ins Überlegen gebracht und ich habe eine Rangliste erstellt.

1. Der ultimative Wanderrit

→ mindestens eine Woche, Dauer nach oben offen. Transport des gesamten Gepäcks zu Pferd (ggf. Handpferd) – es wird auf jeden Fall auch geritten nicht nur geführt. Wenn nur geführt wird, ist es eher eine Wanderung mit Handpferd. Übernachtet wird im Zelt, mit Pferd daneben im mobilen Paddock.

Die Herausforderungen sind, je nach dem ob man alleine oder in einer kleinen Gruppe reitet, mehr oder weniger groß. Auf jeden Fall muss man jeden Tag einen geeigneten Übernachtungsplatz finden, entsprechend mit Einheimischen ins Gespräch kommen, planen ab wann man sucht, entscheiden, ob man sich traut, ggf. auch mal ohne zu Fragen ein nicht genutztes Stück Grasland zu belegen. Kann man das Pferd irgendwo alleine anbinden während man einkauft,? Wie kommt man an ausreichend Wasser, wo gibt es Strom, um Handy, Gps laden zu laden. Was macht man, wenn etwas unvorhergesehenes passiert – Eisen futsch – kann man das Ersatzeisen selbst aufnageln – vorher Kurs beim Schmied machen… wo bekommt man einen Schmied unterwegs her, genauso Tierarzt oder Menschenarzt wenn es Verletzungen gibt u.s.w. .Wie genau plant man, oder sagt man der Weg ist das Ziel und lässt alles auf sich zu kommen.

meine Rangliste

1. Der ultimative Wanderritt

(in idealer Ausgestaltung: der Langstreckenritt)

2. Der selbst organisierte Ritt von Wanderreitstation zur Wanderreitstation

3. der gebuchte Wanderritt

Diese Art Ritt ist auf jeden Fall mein Fernziel mit Auri. Dabei möchte ich die Hunde mitnehmen und am liebsten einmal quer durch Deutschland und wenn das gut klappt einmal quer durch Europa reiten.

Mein erster Wanderritt (Typ 2)

vor ca. 30 Jahren. Ich habe Ösen an einen Vielseitigkeitssattel anbringen lassen für die Packtaschen, alte Armeedecke darunter, Halfter unter die Trense (ohne Sperrriemen damit nichts drückt). Das Wanderreiten und überhaupt alternative Reitweisen, waren damals noch nicht so verbreitet. Wanderreittrensen und entsprechende Sättel gab es nur bei speziellen Anbietern (ohne Internet schwer zu finden), so mussten wir uns selbst behelfen – ging auch.

2. Der selbst geplante Wanderritt

→ mindestens mehrere Tage, von Wanderreitstation zu Wanderreitstation. Der Vorteil ist, man hat abends ein sicheres Quartier, Mensch und Pferd haben gesicherte Verpflegung, dadurch muss man deutlich weniger Gepäck mit nehmen. Bei schlechtem Wetter hat man über Nacht eine feste Unterkunft und kann dort Sachen trocknen, das Handy laden u.s.w.. Man kommt in den Stationen mit anderen Reitern in Kontakt, bekommt Tipps für die Streckenführung und kann sich austauschen. Das Frühstück wird gemacht und es geht gestärkt auf den Weg. Hier muss der Weg genauer geplant werden, da man in der Regel vorab die Unterkünfte anfragt und dann die Termine halten muss. Das kann manchmal stressig werden, wenn sich der Tag anders darstellt als geplant. Insgesamt gibt man auch ziemlich viel Geld aus: 10-25 € pro Nacht für das Pferd, 20 € aufwärts für den Menschen (wenn man alleine ist, wird oft noch teurer, weil man dann EZ-Zuschlag zahlt), wenn ein Hund dabei ist 6-10 € pro Nacht, so ist man schnell mit 60-100 € pro Tag dabei. Aus meiner Sicht ist das völlig in Ordnung, da die Reitbetriebe den Service vorhalten und wir froh sind, dass diese Stationen zur Verfügung stehen.

3. Der gebuchte Wanderritt

→hier buchen wir vor Ort bei einem Reitbetrieb oder über einen Reiterreiseveranstalter einen Wanderritt. Dieser geht dann über ein verlängertes Wochenende oder über eine Woche, manchmal werden auch längere Ritte angeboten. In der Regel werden die Pferde zur Verfügung gestellt. Die einzige Herausforderung sind eine gute Kondition und sinnvolles Packen, sowie die Auswahl des Zieles und der Reitweise. Meistens wird das Gepäck transportiert, manchmal werden Packpferde mitgeführt. Hier muss man sich um nichts kümmern, je nach Art der gebuchten Leistung geht es komfortabel zu, in guten Hotels, oder rustikaler in Hütten mit Gemeinschaftsübernachtungen oder Zelten. Der Ritt ist geführt, die Strecke ist der Kondition der Pferde angepasst und man ist zwischen 3 und 6 Reitstunden unterwegs, selten länger, plus Pausen.

Ich finde dies ist eine tolle Möglichkeit im Ausland einen Reiturlaub zu machen, man lernt das Land vom Pferderücken ganz anders kennen. Man kann andere Reitweisen ausprobieren und lernt oft Mitreiter aus aller Herren Länder kennen. Die Pferde sind sicher und da man sich um nichts kümmern muss, kann man entspannt die Seele baumeln lassen und das Erlebnis genießen, wenigstens geht es mir immer so.

Wanderritt im Ausland – toller Abschnitt am Strand in Nordspanien

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