Ith-Hils-Weg in 3,5 Tagen Ende Juli– steile Klippen, urwüchsige Wälder

Spontane Idee

Die Wettervorhersage war gut und meine Hunde ich ich (vor allem ich) mussten mal wieder ein wenig auslüften und uns bewegen. In der FB Gruppe „outdoorfrauen unter sich“ habe ich nach einer unter 90 km Tour gefragt, die eingermaßen in der Nähe ist und nicht überlaufen in der Ferienzeit. Einziger Vorschlag obige Tour – also ran an die Planung GPS Tracks geladen und den Rucksack gepackt.

Das war wirklich eine minimale Reisevorbereitung. Am Donnerstag Abend fahre ich nach Coppenbrügge und starte die Wanderung.

Video Zusammenfassung

Da ich gerne „Wander-Videos“ auf You Tube schaue, habe ich gedacht ich probiere mich daran, hier könnt ihr das Ergebnis ansehen. Weit entfernt von perfekt, aber es liefert ein paar schöne Einblicke in meine Tour mit den Hunden.

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Durch Teufelsküche zu Adam und Eva

Unser Startpunkt ist der Wanderparkplatz in Coppenbrügge vor hier geht es bergan über die Teufelsküche auf den malerischen Weg. Der erste steilere Anstieg führt uns zu Adam und Eva, zwei eindrucksvolle Felsen. Die Felsfomationen und die immer wieder tollen Ausblicke kennzeichnen den Weg. Wer schon mal am Hohnestein war, hier ist mindestens genauso schön … Wir sind um halb sieben am Abend gestartet, weil ich gerne abends anreise noch zwei Stunden wandere und dann mein Zelt aufstelle. Dann habe ich den Freitag als vollen Wandertag und kann das lange Wochenende ganz ausnutzen. Für diese etwas 80 km lange Tour mit knapp 2000 Höhenmeter brauchte ich den vollen dritten Tag auf jeden Fall.

Wir wollen nicht den Berg runterkullern

Problem ist wieder einmal, dass ich zunächst in einem Naturschutzgebiete bin und der Weg auf dem Kamm entlang führt. D.h. es geht rechts und links von uns mehr oder weniger steil bergab. Bis ich einen einigermaßen ebenen Platz gefunden habe dauert es etwas und gefühlt bin ich aus dem NSG raus. Ich baue das Zelt relativ sichtgeschützt auf und es ist ja jetzt schon halb zehn, aber mal wieder … Mountainbiker und zwar zweigekrachend quer durch den Wald. Akki schlägt natürlich an und ich hoffe, dass keiner den Hund im Wald sucht. Dann ist es aber ruhig und wir schlafen gut und ungestört bis zum nächsten morgen gegen halb sechs. Die Abendetappe war etwas über 6 km lang und führte und auf die Höhe von Lauenstein. Ein Vorteil des Weges, wenn man absteigt ist man recht schnell in einem Ort und kann so auch das gute Übernachtungsangebot oder den ÖVPN nutzen, wenn man an seinen Ausgangspunkt zurück möchte.

Das Zelt ist schnell zusammengepackt und wir wandern gut eine Stunden bis wir einen schönen Baumstamm in der Sonne sehen, bei herrlichem Weitblick genieße ich mein Müslifrühstück. An der nächsten Schautafel sehe ich, dass wir von einem Naturschutzgebiet nahtlos in das nächste gewechselt haben, aber in Anbetracht der vielen inzwischen abgesperrten Mountainbike querwege habe ich kaum ein schlechtes Gewissen, zumal wir auf trockenem Laub keine Pflanze beeinträchtigt haben. Der Weg heute führt zumeist über Singeltrails, was ja an sich ganz schön ist, allerdings wachsen von rechts und links Brennnesseln und Brombeeren über den Weg, mit denen ich mehrfach in Kontakt komme — nicht schön —.

Adam und Eva

Gute Nacht

Abstieg zum Wasserbaum

Insgesamt gehen wir heute ca. 25 km. Da ich nicht in die Orte gehen möchte, müssen wir für Wasser sorgen. Als ein Highlight wird der Wasserbaum empfohlen, aus einem 5 m hohen Baumartigen Gebilde sprudelt eine kalte Quelle, da will ich auf jeden Fall hin. Aber … Komoot zeigt das nicht so genau an und ich gehe am Abzweig vorbei und steige auf zum Hammerstein – toller Blick, aber kein Weg führt nach links. So schaue ich nochmal genau und … ich muss den ganzen Aufstieg wieder absteigen. Der Aufwand lohnt sich, die Quelle ist beeindruckend, das Wasser kühl. Hier mache ich meine Mittagspause, tanke Wasser und schaue den Kindern beim spielen zu.

Bier und Kuchen Pause

Weiter geht es entlang des Bergkammes mit immer wieder schönen Felsformationen und Steilhängen bis Holzen-Ith, dort kehre ich das erste Mal ein und genieße ein großes Stück Käsekuchen und ein alkoholfreies Weizen – lecker …  Hier kann ich auch meine Wasserflaschen auffüllen, was bei der Wärme dringend nötig ist. Da mir jetzt schon über 20 km in den Beinen stecken, lasse ich die Rothesteinhöhle links liegen und hoffe, dass wir nochmal einen Bach finden in dem die Hunde sich die Füße abkühlen können. Aber alle in der Karte eingezeichneten Bäche sind trocken, gut dass wir zwischendurch nochmal Wasser getankt haben. Wir streifen den Ort Holzen und es sind einige Wanderer unterwegs, so dass ich nicht sicher bin, ob wir um sechs schon nach einem Zeltplatz suchen sollen. 2 km weiter finden wir dann einen geschützten Platz und haben eine tolle ruhige Nacht.

Raabe-Turm

Frühstück am Raabeturm

Die heutige Strecke ist mit 22 km etwas kürzer als gedacht, aber für mich auch etwas stressig, weil wir die Orte umgehen und daher nicht an den geplanten Wasserstellen vorbei kommen. Aber von vorne. Wie üblich starten wir zwischen 6 und 7 Uhr und kommen nach ca. 30 Minuten beim Raabeturm an, mit einer tollen Hütte und schönen Picknickbänken auf einer großen Wiese – der ideale Zeltplatz, bei Regen bietet sich die große Hütte zum Übernachten an – schade, dass ich das gestern nicht gewusst habe. Die 30 Minuten hätte ich ruhig noch dran hängen können … naja so ist es eben. Ich frühstücke dort sehr gemütlich und will auf den Turm steigen, der hat aber nach der zweiten Ebene nur noch eine Metallsprossenleiter – und darauf habe ich keine Lust.

Klimawandel – alle Bäche leer

Wir gehen jetzt am südlichen Ende auf dem Hils-Kammweg und es ist einfach wunderschön, der Ith-Hils-Weg macht hier einen Bogen über drei Orte (Grünenplan->Delligsen), da es auf dem Kammweg so schön ist, spare ich mir den Bogen und damit einige Kilometer. Komme dafür aber auch an keiner Wasserstelle vorbei. Der Weg führt weiter am Kamm entlang und verläuft über den E11 der hier gut gekennzeichnet ist. Wie auch den Ith-Hils-Weg, man kann ihn eigentlich ohne Routenplaner laufen, da die Wegführung meist eindeutig und gut beschildert ist. Kurz vor Gerzen stoße ich wieder auf den Weg und jetzt hoffe ich, dass der Bach, der bei der Lippholdshöhle eingezeichnet ist Wasser führt. Wenn nicht muss ich in nächste Dorf gehen und diesen Umweg möchte ich sparen. Und wir haben Glück, der Bach plätschert sauber und gut gefühlt vor sich hin. Wir gönnen uns eine eine ausgiebige Mittagspause, da wir ja Kilometer abgekürzt haben. Füllen unsere internen und externen Wassertanks auf und machen uns frisch gestärkt an den nächsten Anstieg. Inzwischen zieht es zu, zum Abend soll es Gewitter geben und ich will auf jeden Fall vom Kammweg herunter, geplantes Tagesziel ist Marienhagen.

Luxusunterkunft am Abend

Wir machen immer mal wieder kurze Pausen und als der Regen beginnt stoßen wir auf den Leineberglandbalkon – unsere Rettung für den Abend! Es ist zwar erst 17.30 Uhr, aber hier haben wir eine wirklich tolle Hütte mit genügend Platz, um das Zelt unter dem Dach aufzustellen.
Natürlich warte ich noch bis neun Uhr, bevor ich das Zelt aufstellen. Es kann ja sein, dass trotz Regen noch ein Trupp vorbei kommt, um dort zu rasten. Aber es bleibt bei einem einzelnen Mountainbiker, der nach 15 Minuten weiter fährt. Ich trinke Tee, mache meine Abendessen und lese ein wenig – sehr gemütlich.
In der Nacht donnert es kräftig und Akki kuschelt sich an. Auch am morgen haben wir noch ein kräftiges Gewitter, um acht sind die Gewitter vorbei, der Regen leider noch nicht ganz, ab und an schüttet es wie aus Kübeln – ein guter Test für meine neue (teure) Regenjacke.
Die letzte Etappe hat knapp 24 km, so ist unsere Gesamt strecke knapp 78 km, die offizielle Strecke ist 81 km – ich habe zur Baumquelle etwas mehr km gemacht und dafür am Südzipfel etwas abgeschnitten.

Leineberglandbalkon – idealer Schutz vor dem Gewitter

Akki mit Rucksack

Tropischer Regenwald

Der Abstieg nach Marienhagen geht am morgen flott und am Friedhof werden die Wasserflaschen gefüllt, dann geht es weiter in den feuchten Wald. Die Sonne kommt nicht durch, schafft es aber die feuchte Luft zu erwärmen, so dass ich mich wie in einem tropischen Regenwald fühle. Unser Mittagsziel ist der Lönsturm. Der Weg führt stetig bergan und als ich ein Schild „Lönsturm“ sehe stimme ich laut an „Hermann Löns die Heide, Heide brennt …“ ich bin ja alleine – dachte ich, natürlich kommt prompt ein Trailrunner vorbei gelaufen – der erste Mensch den ich heute sehe. Naja, der wird sich seinen Teil gedacht haben .. .

Mein 2. Stück Kuchen

Leider ist es am Lönsturm noch etwas wolkig/neblig, so dass ich die Aussicht nur erahnen kann, macht aber nichts, dafür hat der Regen aufgehört und der Weg herunter nach Salzhemmendorf ist wunderschön, immer wieder steile Klippen und moosbewachsene Felsen. Nach Salzhemmendorf folgen wir einem Feldweg an dem diverse alte Obstbäume stehen und dicke schwarze Brombeeren wachsen. Ein Selbsversorgerweg – aber leider scheint niemand das Obst zu ernten, die dicken Kirschen liegen vertrocknet auf dem Boden. Ein Stück weiter in Lauenstein finde ich ein Cafe und kehre das 2.Mal auf der Tour ein – Milchkaffee und ein dickes Stück Kuchen. Gestärkt geht es auf die letzten Kilometer nach Coppenbrügge. Um fünf sind wir am Auto, ich habe das Gefühlt ich habe einen richtigen Urlaub gemacht und nicht nur drei Tage. Besonders war, dass wir kaum Zivilisationskontakt auf der Strecke hatten, obwohl wir mitten in einem dicht besiedelten Gebiet unterwegs waren.

Richtung Salzhemmendorf

Episode Shima

Kurz hinter Marienhagen spurten meine Hunde auf einmal los in den Wald, Akki kommt schnell wieder und ich gehe weiter, weil diese „Hunde-auf Abwegen-Situationen“ selten vorkommen und wenn, meist nur ein paar Minuten dauern. Aber Shima kommt nicht nach, an der nächsten Wegkreuzung bleibe ich stehen, da ich nicht sicher bin, ob Shimas Nase, den richtigen Weg weist.
Aber – Shima lässt sich nicht blicken. Was auch daran liegen kann, dass gerade ein mächtiger Schauer runter kommt, und sie irgendwo geschützt unter einem Busch sitzt (so ist sie). Also rufe ich und gehe zurück und meine irgendwo ein leises Jaulen zu hören. Das beunruhigt mich und ich mache mich mit Akki auf den Weg in den Wald, nicht das Shima irgendwo fest hängt. Naja, wir suchen eine ganze Zeit und irgendwann denke ich, ich muss einen Notfallpan entwickeln. Zurück auf dem Weg kommt uns Shima von der Kreuzung entgegen, natürlich war sie nicht weit weg und hat einfach auf uns gewartet. Und das Jaulen? Das kam offenbar von einem Hund aus dem Ort, denn das konnte ich nach wie vor hören. Was für ein Stress.

Infos

Hier findet ihr ausführliche Infos zur Strecke, GPS Tacks und Unterkünfte, falls ihr nicht das eigene Zelt nutzt.

https://www.ith-hils-weg.de/start.html

Der Weg ist ein Kammweg und kreuzt nur wenige Siedlungen, daher sollte man ausreichend Wasser mitnehmen. Direkt am Weg habe ich nur eine natürliche Wasserquelle gefunden. Aber es gibt einige Friedhöfe (als Wasserquelle), die mit wenig Umweg zu erreichen sind.

Es gibt einige Sehenswürdigkeiten am Weg die man sich mit ein paar KM mehr erwandern kann, d.h. 1 Tag mehr einplanen lohnt sich. Wenn man nicht im Zelt übernachten, kommt noch der Weg in die Orte dazu, d.h. die Etappen werden etwas länger. Die Anbindung an den ÖPNV ist gut.

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4 Antworten

  1. kristina markan sagt:

    Danke für den wieder sehr informativen und gut geschriebenen Bericht. Ith hils – nie gehört -wieder was gelernt 😊. Es scheint ja wirklich schön da zu sein.🍒
    Viele grüße, ich freue mich schon auf den nächsten Wanderbericht .

    PS. Ich finde den Bericht über den heidschnuckenweg nicht mehr – wo ist der denn?

  2. Christine Knust sagt:

    Niedersächsisches Gesetz über den Wald und die Landschaftsordnung (NWaldLG) Vom 21. März 2002
    § 27
    Zelte, Wohnwagen, Wohnmobile
    In der freien Landschaft sind außerhalb von genehmigten Campingplätzen das Zelten, das Aufstellen von Wohnwagen und Wohnmobilen sowie der Aufenthalt in Zelten, Wohnmobilen und Wohnwagen nicht gestattet.

    § 42
    Ordnungswidrigkeiten
    (2) 1Ordnungswidrig handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig unbefugt

    6. entgegen § 27 im Wald oder in der übrigen freien Landschaft zeltet oder einen Wohnwagen oder ein Wohnmobil aufstellt oder sich darin aufhält;

    (4) Ordnungswidrigkeiten nach den Absätzen 2 und 3 können mit einer Geldbuße bis zu 5 000 Euro geahndet werden.

    • MarenBadmin sagt:

      Liebe Christine,
      danke für die rechtlichen Grundagen. Es ist tatsächlich so, dass es verboten ist, ein Zelt im Wald aufzustellen. Tarps oder die Shelter von Bushcraftern aber wohl erlaubt sind. Ich persönlich sehe keinen großen Unterschied zwischen Zelt und Tarp und finde ein Shelter für das ggf. sogar lebende Bäume beschnitten werden, ist ein wesentlich größerer Eingriff in die Natur. Wichtig ist doch, dass man so wenig stört wie möglich, nichts kaputt macht und alles so hinterlässt wie man es vorgefunden hat. Trotzdem braucht es sicher eine rechtliche Grundlage und auch Beschränkungen.

      Wirklich schade ist, dass es in Deutschland so wenig Unterstützung für Wanderer gibt, obwohl wir viele Wandervereine haben. In den Alpen gibt es viele Hütten direkt an den Wanderwegen, in Dänemark Shelter an beliebten Strecken, die sogar kostenlos sind. In Deutschland wachsen zarte Pflänzen, z.B „Wildes Schleswig-Holstein“, Trekkingplätze am Soonwaldstieg und Försterstieg. Wie schön wäre es, wenn es auch bei uns an den schönen Wanderwegen viel mehr Trekkingplätze/Shelter geben würde.
      Obwohl man durch die vielen Berichte auf Facebook und bekannte „Wanderer“ wie Christine Thürmer, den Eindruck bekommen könnte, dass die halbe Welt in die Natur zieht, um dort zu zelten, sind es glaube ich wirklich wenige, die das tatsächlich machen. Und gerade die, die wandern sind sehr darum bemüht die Natur zu schützen.
      Bis dahin muss man wohl den Wald meiden und privat fragen, ob man z.B. in Knicks, abgeernteten Feldern, Brachflächen in Ortsnähe oder an Waldrändern zelten darf.
      Wer sich über den oben genannten Gesetzestext weiter informieren möchte: „Ein Mann im Wald“ hat auf YouTube ein gutes Video zu den rechtlichen Grundlagen der einzelnene Bundesländer gemacht (wer darf den Wald wo betreten, wo darf man wie übernachten und was ist mit „Feuer machen“…).

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