Wandern in Katalonien #1 Kraxeln und Schnaufen im Montserrat

Nur ca. zwei (Flug)Stunden von (Nord-)Deutschland entfernt liegt Barcelona. Ein beliebtes Städtereiseziel, allerdings diesmal nicht für mich – ich will wandern! Dafür habe ich mir drei Regionen in Katalonien ausgesucht. Erstes Ziel ist das Kloster Santa Maria de Montserrat, weltberühmtes Ausflugsziel in den „zersägten Bergen“.

Gelandet in Barcelona und eine Stunde später schon in den Bergen

Es ist Freitag früher Nachmittag und es sind nur wenig Touristen vor Ort. Ich schlender am Kloster vorbei, schaue mir die Gondel an, die langsam aus dem Tal herauf schwebt und suche mir den Einstieg in meine heutige „Gewöhnungswanderung“ – über 500 Meter nach oben, ist für den ersten tag schon ausreichend. (Im Harz hat mich mein Pferd Auri die berge hoch getragen, das gibt natürlich keine Kondition). Ich will zur höchsten Erhebung im Naturpark Montserrat dem Cim de Sant Jeroni (1237m). Es geht direkt steil bergan über unzählige Treppenstufen, ich bin ganz schön am schnaufen. Nach ca. einer Stunde zieht es sich leicht zu und in der Ferne fängt es an zu donnern, das heißt leider, dass die Sicht mehr und mehr abnimmt. Ich beschließe also die Tour etwas zu kürzen. Über die Bergstation Funicular de San Joan geht es parallel zu meinem Hinweg oberhalb des Flussbettes zurück. Am Kloster ist nur noch wenig los, lediglich an der Herberge ist noch Leben. Ich habe mir eine günstige Unterkunft in San Vincent de Castallet gesucht, ein typischer kleiner spanischer Ort, von dem ich nicht viel gesehen habe, da es die zwei Nachmittage, die ich vor Ort bin jedes Mal gewitterähnlich regnet.

wie immer gibt es auch ein Video zur Tour

Kloster Montserrat

Die schwarze Route hat es in sich

Es wird erst um sieben hell, daher verschätze ich mich etwas mit der Zeit und beginne meinen zweiten Wandertag in den bergen von Montserrat erst um 9.00 Uhr an den Felsen von Agulles. Es ist katalonischer Nationalfeiertag (11.09.) und mit mir kommen zahlreiche Wanderer und Kletterer an, die sich aber nach ca. 500 m auf die verschiedenen Wanderwege verteilen.
Ich nehme eine schwarze Route aus meinemRother-Wanderführer, weil diese das umfassendste Bild der Region liefern soll. Einige Seilversicherte Passagen schrecken mich (noch) nicht. Und wirklich es ist eine grandiose Tour, durch die steil aufragenden Zähne, mit immer wieder Weitsicht in das umliegende Land bis nach Norden zu den Pyrenäen. Die Kraxelstellen haben es allerdings in sich, an einem Seil geht es über glatten Fels nach oben und kurz darauf in einem schmalen Kamin wieder herunter. Hier ist am Anfang eine hohe Stufe zu bewältigen. Ich bin froh, dass sich gerade ein Ehepaar in Klettertechniken übt, sie stellen mit freundlicherweise ihr Seil zur Verfügung, so komme ich sicher nach unten. Immer wieder sehe ich Kletterer im Fels hängen, sehr beeindruckend. Es gibt hier unzählige Klettermöglichkeiten mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden.

Im Refugio Vincenc Barbé gibt es einen Kaffee und etwas Käse zur Stärkung. Der Rückweg folgt dem GR172, der Aguelles mit dem Kloster verbindet (ca. 3,5 Std.). Mit den hohen Felsen auf der Linken und einem tollen Blick nach Norden geht es entspannt zurück.

Für den letzten Tag in der Region habe ich mit wieder eine schwarze Route ausgesucht, auf den Montgrós (1118m), der den besten rundum Blick auf die Felsdformationen des Montserrat bieten soll.

Für den letzten Tag in der Region habe ich mit wieder eine schwarze Route ausgesucht, auf den Montgrós (1118m), der den besten rundum Blick auf die Felsdformationen des Montserrat bieten soll.

Wie in der Wegbeschreibung angekündigt geht es steil bergan, aber alles zu machen solange es trocken bleibt. Trotzdem bin ich ganz schön außer Atem, als ich schließlich oben angekommen bin. Am Sonntag sind viele Wanderer unterwegs, vom Montgrós kann ich rüber schauen zum Cim den San Jeroni – die Reihe der Wanderer die den Berg hinaufsteigen zeichnet sich wie eine Ameisenspur gegen die Himmel ab – bin ich froh, dass ich mir eine ruhige Region ausgesucht habe.

Ich komme an meine Grenzen

Es ist erst elf Uhr und ich beschließe eine alternative Route zurück zu nehmen. Auf meinem Routenplaner scheint der Weg ziemlich eindeutig zu sein. Solange ich auf der gelb/weiß markierten Strecke unterwegs bin, ist das auch so. Dann folgt ein Moment der Verwirrung. Ich steige das Flussbett weiter hinab und stelle fest, dass das wohl nicht der richtige Weg ist. Auf dem Weg nach oben entdecke ich den weggespülten Wegweiser und noch ein Stückchen weiter oben den blau markierten Pfad. Die folgende Strecke hat es in sich, es geht weite Strecken über stark abfallenden Fels. Ich muss höllisch aufpassen, dass ich nicht auf losen Steinen ausrutsche. Dann soll mein Weg auf eine eigentlich bessere Strecke abbiegen (lt. App). Das ist leider nicht so, es geht auf dem gleichen abschüssigen Felsen steil und unmarkiert bergauf. Langsam werde ich nervös, da der Wanderführer davon gesprochen hat, dass man sich in der unendlichen Zahl an mehr oder weniger gut zu erkennenden Pfaden leicht verlaufen/versteigen kann. Endlich entdecke ich Steinmännchen, denen ich weiter folge. Fast am Ende meiner Kräfte erreiche ich endlich das Flussbett über das ich zurück auf meine ursprüngliche Tour komme. Inzwischen ist es 14 Uhr und langsam ziehen wieder Gewitter auf. Eine Stunde später mit den ersten Regentropfen sitze ich erschöpft aber zufrieden in meinem Mietwagen.

In zweieinhalb Tagen habe ich einen guten Einblick in das Gebirge bekommen. Beeindruckende Felsformationen mit super Weitsicht. Wer es noch sportlicher mag, kann auf Klettersteige mit verschiedenen Sachwierigkeitsgraden zurückgreifen (www.kpujo.com).

Rother Wanderführer zu der Region

Infobox

Mit der Bahn zum Kloster Montserrat: https://www.barcelona-tourist-guide.com/de/stadtrundfahrten/barcelona-montserrat.html

Übernachten direkt am Kloster: https://www.montserratvisita.com/de/organize-the-visit/where-to-sleep

Es gibt in dem Gebiet einige Felsüberhänge/Höhlen, die offensichtlich für Übernachtungen genutzt werden, ähnlich den Boofen in der sächsischen Schweiz. Aus meiner Sicht kann man auch mit Rucksack anreisen und im Gebiet wild zelten – ich habe nicht geprüft, ob das erlaubt ist. Auf jeden Fall muss man sich ausreichend Wasser mitnehmen, da es wenig natürliche Wasserläufe gibt. Günstige Hostals gibt es in der Umgebung.

Alllgemeine Infos und Wandertouren: https://katalonien-tourismus.de/

Das könnte dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.